Auf ein Neues....

Ein Jahr ist vorüber, ein neues hat begonnen. Das ist eigentlich nicht besonders aufregend. Die Erde zieht ihre Bahn um die Sonne in diesem winzigen Ausschnitt des Universums. So geht das nun schon seit einigen Milliarden Jahren.

Und doch ist es für uns Menschen etwas besonderes, wenn die Jahreszahl auf dem Kalender sich weiter bewegt. Wir ziehen Bilanz hinsichtlich des Vergangenen und hoffen, dass vielleicht nicht alles, aber zumindest einiges besser wird.


Nicht zuletzt geht es dabei auch um die so genannten guten Vorsätze oder anders gesagt, um ein bisschen Selbstillusion. So ohne weiteres kann niemand aus seiner Haut und plötzlich alles umkrempeln. Manches ist einfach so, wie es ist. Oder sollte sich der Chef etwa vom strengen Aufseher plötzlich in ein menschenfreundliches Wesen verwandeln? Sollte der Ehepartner auf einmal so werden, wie man es sich immer erhofft hatte, zuvorkommend, rücksichtsvoll, liebevoll, ja ein anderer Mensch? Oder könnte es tatsächlich sein, dass der geliebte Sportverein doch noch einmal irgendwie Erfolg hat?


Manches, was wir von anderen erwarten, grenzt wohl eher an Wunder. Gute Vorsätze reichen da selten aus, zumal sie so vergänglich sind, wie die Zeit selbst und nur ganz selten die Frühlingssonne erblicken.

Ich möchte hier keineswegs die hehren Vorsätze und besonderen Erwartungen klein reden. Immerhin zeigt dies doch, dass der Mensch zumindest gedanklich fähig ist, sich zu ändern.


Warum aber fällt es uns so schwer, unserem Leben eine andere Richtung zu geben?

Natürlich, wir hängen alle an bestimmten Gewohnheiten, seien sie nun gut oder schlecht. Veränderung hingegen ist immer ein Wagnis. Und nicht immer stimmt der bekannte Ausspruch: Wer wagt, gewinnt. Die Krisenjahre 2020/21 haben uns das deutlich vor Augen geführt. Der Konjunktiv irrealis (ach hätt’ ich doch, ach könnt’ ich nur etc.), der so manchen traurigen Abgesang bestimmte, beklagt dann sämtliche Fehlentscheidungen. Und aus veni, vidi, vici ist wieder nichts geworden. Pädagogisch weise, ließe sich jetzt noch anfügen, aus Fehlern lernt man. Na, wenn das so ist, dann ist ja alles gut. Dann steht uns wirklich ein ganz neues Jahr bevor und wir sind auf einmal alle ganz andere Menschen. Schön wär’s.

 

Bevor das Unmögliche versucht wird, sollte man sich erst mal dem Möglichen zuwenden. Kommt dann noch das entsprechende Gottvertrauen hinzu, dann weiß ich mich trotz aller Begrenztheit gut, ja bestens aufgehoben.  



Ihr Pfarrer Ludger Dräger