Erlösung - Gedanken zur Karwoche 2021

Pandemie, allgegenwärtig und auf allen Kanälen. So geht das mit leichten Unterbrechungen seit einem Jahr. Markus Lanz und seine Kolleginnen müssen sich kaum mehr Gedanken machen, wie sie ihre Sendungen füllen.


Hier soll es nicht darum gehen! 


Vielmehr steht das im Raum, was uns als Christen seit Jahrhunderten beschäftigt und bewegt. Es ist der Blick auf den leidendenden Gottessohn. Damit verbindet sich seit eh und je auch die Frage, warum? Sogar vom Herrn selbst herausgeschrien in den berühmten Worten: Eli, Eli lema sabachtani.


Von Gott verlassen, diese Klage und Frage ist nicht neu. Sie durchzieht mal mehr, mal weniger  das ganze Alte Testament. Dabei ist dort die „Logik“ oft recht einfach. Es geht uns nicht gut oder wir sind von Feinden umgeben oder gar besiegt, das kann nur heißen, Gott ist weg, Gott kümmert sich nicht. Das heißt aber auch, wir müssen umkehren. Die österliche Bußzeit greift dies auf in der Antiphon: Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt (Ez 33,11). Leben heißt hier also, die Dinge gerade rücken, die mein Verhältnis zu Gott belasten. In unserer Alltagssprache sagen wir schlicht, sieh zu, dass du das wieder in Ordnung bringst!  

 

Die Leidensgeschichte greift ein in die Unordnung dieser Welt, sie stellt sich der Macht der Sünde und macht überaus deutlich, was überhaupt Sünde ist. Wenn Sünde jedoch mehr und mehr schöngeredet wird, dann geht das Kreuz Christi ins Leere. Der Karfreitag ist nicht nur ein Blick auf den leidenden und sterbenden Herrn, er ist auch ein schonungsloser Blick auf diese Welt. . „ Im Kreuz enthüllt sich dein Gericht, im Kreuz erstrahlt die Macht des Retters, der sich für uns dahingab, unseres Herrn Jesus Christus“, so heißt es in der Präfation vom Leiden Christi.

 

Die Welt gefällt sich wohl. Von Erlösung oder gar einem Erlöser ist keine Rede mehr. Das neue Zauberwort heißt Optimierung, genauer Selbstoptimierung. Damit dies gelingen kann, braucht es Coaching. Trotzdem wird die Welt nicht besser, weil der Mikrokosmos ICH sich zum eigenen Universum aufplustert.

.

Erlösung ist weit mehr als Verbesserung. Erlösung geschieht durch Hingabe, durch Opfer im weitesten Sinne des Wortes. Diese Hingabe wird am Ende zum Leben in der Dynamik des Weizenkorns, das in die Erde fällt und Frucht bringt. Amen. Halleluja.


Ihr Pfarrer Ludger Dräger